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  CLAUDIA DI FONZO

DIE REZEPTION DER "COMEDIA" IN "CONVERSAZIONE IN SICILIA": SPRACHE UND VORBILDER.
(perfezionamento in Freiburg i. Br.)

 1) SPRACHE

Mit der Comedia und Vittorinis Conversazione in Sicilia stehen sich ein lyrisches Werk und ein Prosawerk gegenüber, zwischen deren Entstehung ein sehr grosser Zeitraum liegt. Daher ist die beste Möglichkeit für die Analyse ein Vergleich der Lexik und der Motivik.

In Hinblick auf den Wortschatz und die Figur des Gran Lombardo sei einführend P. Kuon zitiert: "Der beiläufig eingeführte Übername stellt zugleich die einzige klare Verbalreminiszenz an die Divina Commedia in Conversazione in Sicilia dar, insofern er nämlich den Sizilianer, der seine Reisegefährten auf den faschistischen "Gestank" aufmerksam macht und sie dazu bringt, sich als Antifaschisten zu offenbaren, mit dem edlen, gerechten und grossherzigen Bartolomeo della Scala gleichsetzt, der, so die Prophezeiung Cacciaguidas im Paradiso, als erster den exilierten Dante beherbergen wird. (Par. XVII, 70-72 Lo primo tuo refugio e 'l primo ostello / sarà la cortesia del gran Lombardo / che 'n su la scala porta il santo uccello). Die Figur des Gran Lombardo wird im weiterem Verlauf zum wichtigsten Leitmotiv von Conversazioni in Sicilia aufgebaut (costruita). Dabei hält sich Vittorini dicht an die literarische Vorlage. Bartolomeo della Scala der Herrscher über Verona, der dem Heimatlosen Schutz gewähren, ihm freigebig Wohltaten erweisen..." (p. 145)

Der Gran Lombardo Vittorinis, der in Nicosia wie ein König über sein Land reitet, scheint eine neue Moral zu haben und zwar das Streben nach positiven Handlungen durch die er ein guter Bürger sein will ("un buon cittadino"). Diese Ausserung hat als Hintergrund die Theorie der Aristoteles Politica die  Dante der in der Göttliche Komödia hervorruft. In Grund genommenist ist der Mensch zoon politicon. Dante sieht in dieser Figur und in seinem Verwandten Cangrande della Scala die Möglichkeit, die gegenseitigen Auseinandersetzungen der Parteien (guelfi e ghibellini) zugunsten des Allgemeinwohls zu überwinden.

Für eine vergleichende Analyse der Wortschatz kann man vom Anfang von Vittorinis Werk "astratti furori" hervorziehen. P. Kuon hebt "astratti furori" als Gegenbegriff zu den "eroici furori" von Giordano Bruno hervor. (cfr. s. 141, n. 14). Sicher ist "furore" jedoch ein bedeutungvolles Wort. Dieses Wort hat  von Dante und im weiteren Verlauf über Petrarca bis Ariosto die gleiche Bedeutung gehabt, nämlich "Narr sein". Trotzdem hat sich die Konnotation dieses Begriffs im Lauf der Zeit verändert. Bei Dante, Petrarca e Boccaccio ist "furore", laut ursprünglich auf Latein, ein Synonum von Zorn. Es ist die Eigenschaft der verschiedenen Teufelchen im 21. Gesang:

  Inf. XXI, 67 Con quel furore e con quella tempesta /

ch'escono i cani addosso al poverello /

che di sùbito chiede ove s'arresta/

usciron quei di sotto al ponticello /

e volser contra lui tutti i runcigli. (cfr. auch Inf. XIV, 66)

Im gleichen Sinn wird es von Boccaccio in Novella. 33, 14 verwendet: "E di quella in tanta ira, ed in tanto furor trascorse". Oder als "gnomica" Ausdruck in Boccaccios Novella 47, 11: "Egli salito in furore"

Und auch im Canzoniere von Petrarca im Sonetto 197:

Ira è breve furore e chi non frena...

In dieser Entwicklung ist Ariosto sehr wichtig. Bei ihm steht "furore" unmittelbar im Titel seines Werkes um die verrückte Suche Orlandos anzuspilen, der seinen Kopf auf dem Mond verliert. In diesem Fall ist aber "furor" etwas unberechenbar und schon den "astratti furori" ähnlicher.

W. Hempel schribt (s. 182): "Dass Vittorinis Schilderung Worte wie "buoi" "fumo", "odor di puzzo" immer wiederkehren, verstärkt die danteske Atmosphäre von Silvestro Hollenwanderung"

Und noch: "Wenn die unsichtbaren Krankenzweimal als "spiriti" bezeichnet werden, so ist dies (... ) eine der häufigsten Bezeichnungen Dantes für die Bewohner seines Jenseitsreiches"

Und schiesslich noch etwas über der Name von Vittorinis Ich - Erzähler: Silvestro. Hempel zitiet Franca Bianconi und sagt das es ist eine emblematische Name. (cfr. Inf. II, 142 "intrai per lo cammino alto e silvestro"; XXI, 84 "ch'i' mostri altrui questo cammin silvestro"; XXVIII, 94: Silvestro papa Name; Purg XXX, 118 "Ma tanto più maligno e silvestro" Par XI, 83 scalzasi Silvestro)

  2) MOTIVEN

  Auf der ersten Blick schenein einige Motiven, mit denen Vittorini seine Conversazioni aufgebaut hat, von der Kömodia abgeleitet zu sein:

1) Silvestro ist 30jerige als er seine Reise anfängt bezieungsweise Dante in der Comedia ist in der Mitte seines Leben (Inf I,1Nel mezzo del cammin di nostra vita). Darüber die Zeit des Lebens spricht Dante in Convivio opera "temperata e virile" della seconda età ossia della giovinezza o gioventute. e nel mezzo di tale età si colloca la Commedia che "riempie la parte declinante dell'arco della vita".

2) stato di depressione in preda ad astratti furori/ selva oscura

3) sonno/malattia -sonno/peccato

3) homo viator al bivio/ Dante agens

4) Anregung: lettera del Padre guida assente / Virgilio, guida che parla attraverso le sue opere che è lo suo maestro e lo suo autore

5) viaggio sul mare nero/ Acheronte

Sicilia/Inferno

W. Hempel schribt: "Dass Vittorinis Schilderung Worte wie "buoi" "fumo", "odor di puzzo" immer wiederkehren, verstärkt die danteske Atmosphäre von Silvestro Hollenwanderung"

6) Il viaggio dura tre giorni e tre notti (cfr. capitolo finale) e se Dante chiama la sua opera  Comedia, Vittorini  parla di Conversazione:

7) piffero e la voce: anti Orfeo

  "Questa fu la mia conversazione in Sicilia, durata tre giorni e le notti relative, finita com'era cominciata. Ma debbo notare che accadde ancora qualcosa dopo la fine".

  3) DER ART UND WEISE DER ILLUSTRATIONEN

  Zusätzlich ist zum betrachten der Projeckte von Vittorini dieses Buch illustriren zu lassen. Wie Dore' für die Commedia.

  

BIBLIOGRAPHIE

Werke

  Opere minori I = D.A., Opere minori, tomo I, parte I, a c. di Domenico De Robertis e di Gianfranco Contini, Milano-Napoli: Ricciardi, 1984.

 Opere minori II = D.A., Opere minori, tomo II, a c. di Pier Vincenzo Mengaldo, Bruno Nardi, Arsenio Frugoni, Giorgio Brugnoli, Enzo Cecchini, Francesco Mazzoni, Milano-Napoli: Ricciardi 1979.

 La "Commedia" secondo l'Antica Vulgata, a cura di G. Petrocchi, vol. I: Introduzione, Firenze, Le Lettere, 1994 (seconda ristampa riveduta).

  Elio Vittorini, Conversazioni in Sicilia, Illustrazioni di Renato Guttuso; introduzione di G. Falaschi, nota di S. Pautasso, Milano, BUR, 1999.

 Secundärliteratur

  Peter Kuon, "Afferrare il senso di una realtà maggiore". Realistisches Erzählen und danteske Allegorisierung in "Conversazioni in Sicilia", in  "Lo mio maestro e 'l mio autore". Die productive Rezeption der Divina Commedia in der Erzählliteratur der Moderne, Frankfurt am Main, Klostermann, 1993, ss. 139-173  [Analecta Romanica; 52]

  Wido Hempel, Zur Nachwirkung der Divina Commedia in der Literatur des 20. Jahrhunderts, in "Italia Viva. Studie zur Sprache und Literatur Italiens", Tübingen, Narr, 1983, ss.169-183.

  Heidi  Marek, Elio Vittorini und die moderne europäische Erzählkunst (1926-1939), Heidelberg, C. Winter, 1990